Milben sind winzig, können einem Bienenvolk aber erheblich zusetzen. Besonders die Varroamilbe gehört zu den größten Herausforderungen in der Imkerei. Bleibt ein stärkerer Befall längere Zeit unbemerkt, werden einzelne Bienen geschwächt und im ungünstigen Fall kann die Entwicklung des gesamten Volkes beeinträchtigt werden. Regelmäßige Kontrollen und rechtzeitige Maßnahmen gehören deshalb zu einer verantwortungsvollen Bienenhaltung.
Gesunde Bienenvölker bilden zugleich die Grundlage für hochwertige Honige. Das gilt für heimische Sorten ebenso wie für manuka honey, der aus dem Nektar der neuseeländischen Mānuka-Pflanze gewonnen wird. Hinter einem hochwertigen Naturprodukt stehen immer auch die sorgfältige Betreuung der Bienenvölker und eine verantwortungsbewusste Imkerei. Umso wichtiger ist es, einen Milbenbefall früh zu erkennen und richtig einzuschätzen.
Was sind Milben bei Bienen und warum sind sie gefährlich?
Bei Milben im Bienenstock geht es in erster Linie um die Varroamilbe. Der Parasit ist mit bloßem Auge erkennbar und befällt sowohl erwachsene Honigbienen als auch deren Brut. Zur Vermehrung dringen weibliche Milben in Brutzellen ein, bevor diese von den Arbeiterinnen verdeckelt werden. Dort entwickeln sich die Nachkommen der Milbe zusammen mit der jungen Biene.
Für das Bienenvolk entsteht dadurch eine doppelte Belastung. Die Milben ernähren sich von den Bienen und schwächen ihre körperliche Entwicklung. Hinzu kommt, dass sie verschiedene Krankheitserreger und Viren übertragen können. Bekannt ist insbesondere das sogenannte Deformed Wing Virus, das unter anderem zu verkrüppelten Flügeln führen kann.
Ein geringer Befall muss zunächst kaum auffallen. Vermehren sich die Parasiten jedoch stark, kann die Volksstärke deutlich zurückgehen. Besonders problematisch wird dies, wenn geschwächte Winterbienen entstehen, die das Volk durch die kalte Jahreszeit tragen sollen.
Milbenbefall erkennen: typische Anzeichen im Bienenvolk
Varroamilben sitzen nicht ständig sichtbar auf erwachsenen Bienen. Ein Volk kann daher bereits stärker belastet sein, obwohl beim ersten Blick in den Stock kaum Milben zu erkennen sind. Das bedeutet: Sichtkontrollen allein reichen für eine zuverlässige Einschätzung nicht aus.
Deutliche Hinweise für einen Befall sind Bienen mit verkürzten oder deformierten Flügeln, geschwächte Tiere und ein ungewöhnliches Brutbild. Gleiches gilt für eine unerwartete Abnahme der Volksstärke. Tote oder stark geschädigte Bienen vor dem Flugloch können ebenfalls darauf hinweisen.
Imker können den Befall mit verschiedenen Kontrollverfahren erfassen. Dazu gehören beispielsweise die Untersuchung des natürlichen Milbenfalls über eine Bodeneinlage oder andere etablierte Methoden zur Einschätzung der Milbenzahl. Wichtig ist vor allem, regelmäßig zu kontrollieren und die Ergebnisse zu dokumentieren. Nur so lässt sich erkennen, ob der Befall zunimmt und Handlungsbedarf besteht.
Soforthilfe: Was bei einem akuten Milbenbefall zu tun ist
Bei einem deutlichen Verdacht auf Varroabefall sollte zunächst festgestellt werden, wie stark das Volk tatsächlich belastet ist. Ein einzelner sichtbarer Parasit sagt noch wenig über die Gesamtzahl der Milben aus. Eine regelmäßige Kontrolle auf Befall schafft hingegen eine bessere Grundlage für das weitere Vorgehen.
Ist der Befall hoch, sollte schnell gehandelt werden. Welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von Jahreszeit, Brutmenge, Volksstärke und bereits erfolgten Maßnahmen ab. Für die Behandlung kommen ausschließlich dafür zugelassene Mittel entsprechend den jeweiligen Anwendungsvorgaben in Frage.
Eigenmächtige Veränderungen von Dosierungen oder selbst entwickelte Mischungen sind nicht ratsam. Gerade bei Präparaten auf Basis organischer Säuren müssen Anwendung, Konzentration und äußere Bedingungen berücksichtigt werden. Nach der Behandlung ist eine eine erneute Kontrolle sinnvoll. Nur so lässt sich feststellen, ob die Zahl der Milben ausreichend zurückgegangen ist.
Bewährte Methoden zur Bekämpfung der Varroamilbe
In der Imkerei kommen unterschiedliche Verfahren zur Varroabekämpfung zum Einsatz. Dazu gehören zugelassene Präparate mit verschiedenen Wirkstoffen sowie Behandlungen auf Basis organischer Säuren. Nicht jedes Verfahren eignet sich jedoch zu jedem Zeitpunkt.
Während der Saison spielt beispielsweise eine Rolle, ob sich viel verdeckelte Brut im Volk befindet. Ein beträchtlicher Teil der Milben kann sich darin aufhalten und ist so bei bestimmten Behandlungen schwerer erreichbar. Ebenfalls wichtig: Auch auf Temperaturen und Witterungsbedingungen kann es bei einzelnen Verfahren ankommen.
Eine Varroabehandlung sollte also niemals als isolierte Maßnahme betrachtet werden. Vielmehr kommt es auf ein auf das Bienenjahr abgestimmtes Vorgehen mit regelmäßigen Kontrollen an. Außerdem sollte nach einer Maßnahme erneut geprüft werden, wie sich die Belastung entwickelt hat. Auf diese Weise kann lässt sich frühzeitig eingreifen, falls der Befall nicht wie gewünscht abnimmt.
Natürliche und biotechnische Maßnahmen zur Unterstützung
Nicht jede Maßnahme gegen Varroamilben basiert auf einem Behandlungspräparat. Imker können die Vermehrung der Milben auch durch bestimmte Eingriffe in den Brutzyklus begrenzen. Häufig werden diese Vorgehensweisen als biotechnische Maßnahmen bezeichnet.
Als Beispiel sei das Entfernen verdeckelter Drohnenbrut erwähnt. Varroamilben nutzen diese besonders häufig für ihre Fortpflanzung. Wird befallene Drohnenbrut rechtzeitig aus dem Volk entnommen, werden gleichzeitig darin befindliche Milben entfernt.
Auch gezielt herbeigeführte Brutpausen können Bestandteil eines abgestimmten Varroakonzeptes sein. Solche Verfahren verlangen Erfahrung und sollten auf die Entwicklung des jeweiligen Bienenvolkes abgestimmt werden. Sie ersetzen zudem nicht automatisch die Kontrolle des Befalls. Ihr Vorteil besteht vor allem darin, die Zahl der Milben bereits während der Saison zu begrenzen und andere Maßnahmen sinnvoll zu ergänzen.
Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Bienenvölker langfristig
Eine gute Vorbeugung beginnt mit dem regelmäßigen Beobachten. Anstatt erst auf deutlich geschädigte Bienen zu reagieren, ist es sinnvoller, die Milbenbelastung während der Bienensaison genau zu beobachten. Aufzeichnungen helfen dabei, Veränderungen zwischen einzelnen Kontrollen zu erkennen.
Darüber hinaus verdient der allgemeine Zustand des Bienenvolkes Aufmerksamkeit. Eine ausreichende Versorgung, geeignete Standorte und eine sorgfältige Betreuung unterstützen starke Völker. Es lohnt also, Auffälligkeiten bei Brut, Bienen oder Volksentwicklung nicht zu ignorieren.
Auch die Auswahl widerstandsfähiger Bienenvölker gewinnt in der Imkerei an Bedeutung. Bestimmte Völker zeigen ausgeprägtere Verhaltensweisen bei der Entfernung geschädigter Brut oder beim Putzen. Solche Eigenschaften werden im Zusammenhang mit einer besseren Widerstandsfähigkeit gegenüber Varroamilben untersucht. Dennoch bleibt eine regelmäßige Befallskontrolle auch bei robust erscheinenden Völkern unverzichtbar.
Fazit
Die Varroamilbe lässt sich aus der modernen Bienenhaltung kaum wegdenken. Problematisch wird sie vor allem dann, wenn ihre Zahl unbemerkt stark ansteigt. Deshalb gehört die regelmäßige Kontrolle zu den wichtigsten Maßnahmen im Umgang mit dem Parasiten.
Bei einem akuten Befall gilt es zunächst, die Belastung zuverlässig einzuschätzen und anschließend eine zum Zeitpunkt und zum Zustand des Volkes passende Behandlung einzuleiten. Zugelassene Mittel und biotechnische Verfahren können miteinander kombiniert werden, um größtmögliche Erfolge zu erzielen. Wer seine Bienenvölker kontinuierlich beobachtet, Befallswerte dokumentiert und frühzeitig reagiert, schafft eine gute Grundlage für kräftige Völker. Gesunde Bienen wiederum sind die Voraussetzung dafür, dass hochwertige Honige mit der notwendigen Sorgfalt gewonnen werden können.
arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater. Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).
